Wenn wir verzweifelt oder depressiv sind. Wenn wir leiden, uns leer fühlen.

Wie es für jedes körperliche Krankheitsbild Maßnahmen gibt die zur Heilung beitragen, so gibt es auch für das seelische oder psychische „Krankheitsbild“ Maßnahmen die helfen.
Zunächst sollte alles aufhören zu wirken was zu diesem Zustand geführt hat. Negative Gedanken, Zweifel, „Getrieben sein“, „Zerstreut sein“, das „Nicht bei sich sein“, das „Nicht Wahrnehmen von Jetzt und Hier“, die Unfähigkeit sich selbst zu spüren.
Meist verlieren wir uns in einer negativen Vorstellung von Leben, von Sein. Diese Vorstellung ist es dann, die unser Leben negativ beeinflusst oder sogar unerträglich macht. Verweile ich in dieser Vorstellung, verweile ich in der Unzufriedenheit, Hoffnungslosigkeit oder sogar Verzweiflung.

Verliere ich die Verbindung zu mir selbst, verliere ich unweigerlich die Verbindung zum Leben. Weil unsere Seele, Psyche, unser Unterbewusstsein von Natur aus diese Verbindung mit uns fordert  (Das macht sich bei uns über ein Gefühl von Leerheit, von Ungleichgewicht, Unzufriedenheit, Unruhe und/oder „Getrieben sein“ bemerkbar) versuchen wir über vermeintliche Hilfsmittel diese Verbindung wiederherzustellen. Beispielsweise über Sex. Im Moment des Akts und ganz besonderes im Moment des Höhepunkts hören alle Gedanken auf zu kreisen. Der Fokus verlagert sich ganz auf uns, auf diesen Moment. In diesem Moment finden wir kurz Ruhe und Frieden. Wir kommen uns kurz wieder ganz nah. Aber wie alle Kompensationen – ähnlich wie Drogen – geben Sie uns kurz ein Gefühl von Einklang und „Erfüllt-sein“, aber im nächsten Moment fallen wir wieder auf unseren letzten Zustand zurück, und so beginnt der Teufelskreis. Auch der Alkohol ist ein gern genommenes Kompensationsmittel. „Da nehm ich am Abend ein Glas um runterzukommen, oder zwei.“ Auch hier wird versucht dem „Schrei der Seele“ nachzukommen, indem er auf brachiale Art und Weise versucht die unruhigen Gedanken zu beruhigen. Um wieder „zu sich“ zu kommen. Was ihm nicht wirklich bewusst ist. Er weiß nur, dass sich für den Moment des Berauscht-Seins ein besseres Gefühl einstellt als zuvor.

Es gibt endlose Möglichkeiten der Kompensation oder man könnte auch sagen um dem unangenehmen Gefühl des „von-sich-selbst-Getrenntseins“  zu entkommen. Intensives Sporttreiben, das uns ebenfalls im Moment der Erschöpfung näher zu uns bringt. Nikotin, Koffein.

Der Workaholiker ist auf die Idee gekommen sich so lange in der künstlichen Welt, also in der Welt der Vorstellungen, Pläne, Kalkulationen… aufzuhalten bis er so erschöpft ist, dass zwischen der totalen Ablenkung durch die Arbeit und dem Schlaf nichts mehr stattfinden kann. Nicht einmal die Wahrnehmung der Unruhe, der eigentlichen Leerheit, der Unzufriedenheit.

Es gilt also zurück in die Wirklichkeit zu kommen. Denn das wirkliche Leben, das Wahrnehmen des wirklichen Seins, das was mein eigentliches Leben ausmacht, birgt kein „leer-sein“. Es lässt keine dauerhafte Unzufriedenheit aufkommen. Dieses Leben gibt allem einen Sinn. Vertrauen und Gelassenheit. Die Wahrnehmung der Wirklichkeit über mich und das Leben kann per se nur Zufriedenheit zufolge haben. Etwas anderes gibt es da nicht. Das Leben in seiner reinsten, ursprünglichsten, unverzerrten Form, bringt per Naturgesetz (abgesehen von kurzzeitigen negativen Emotionen aufgrund besonderer Ereignisse) ein Gefühl von Klarheit, Vertrauen und Zufriedenheit hervor. Wenn wir uns unglücklich fühlen, wenn Ängste und Verzweiflung unser Leben bestimmen, ist mit Sicherheit eine falsche Vorstellung von Leben und unserem Selbst entstanden. Und somit eine Wahrnehmung/Interpretation von Leben, die nicht der Wirklichkeit entspricht.

Das Leben selbst, in seiner reinen Form, unterscheidet nicht zwischen wertvoll und wertlos, attraktiv und unattraktiv, fähig oder unfähig, zu klein, zu groß, zu wenig, zu viel. Nur unsere Angewohnheit Dinge voneinander zu unterscheiden und das Eine dem Anderen vorzuziehen bringt uns in die Lage, in der die Vermutung in uns wächst, zu wenig zu sein, zu wenig zu bekommen, das falsche zu haben, das falsche zu bekommen, nicht „wertvoll“ genug zu sein oder nicht genügend „Wertvolles“ zu bekommen.Kurzum, wir müssen uns auf den Weg machen den Blick auf die Wirklichkeit zurück zu gewinnen. Wirklichkeit meint hier die genaue Betrachtung unseres Lebens. Der Zusammenhänge unseres Lebens, unserer Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle. Das was ist, ohne, dass wir etwas aus der Unterscheidung heraus dazu tun oder weglassen. Statt analysieren, kalkulieren und einschätzen, nur beobachten. Sich selbst beobachten. Die eigenen Empfindungen beobachten. Unsere Emotionen. Nur beobachten. Das was ist so zu betrachten wie ein Kind. Es kategorisiert nicht. Wenn ein Kind einen Baum betrachtet, ist es i.d.R. völlig belanglos ob dieser Baum nun füllig ist oder karg oder das Kleid einer Frau modisch ist oder nicht. Oder ob das Wetter heute schön ist oder verregnet. Wenn es das Pfeifen eines Vogels hört, hört es nur das Pfeifen. Ohne zu hinterfragen, was das wohl für eine Vogelart sein könnte. Diese archaische Fähigkeit des Wahrnehmens haben die meisten Erwachsenen verlernt. Deshalb nehmen wir schon lange nicht mehr die Wirklichkeit des Lebens und der Menschen um uns herum wahr, sondern eine Eigenbau-Vorstellung von Leben und von Menschen. Dieser Eigenbau ist es der uns selbstverständlich krank oder mindestens nicht wirklich glücklich macht. Denn er steht im Zwiespalt, ja sogar im krassen Gegensatz zur Wirklichkeit des Lebens. Dieser Zustand kann früher oder später nur krank machen. Je nachdem wie lange unsere Seele/Psyche dieses Schauspiel und Verwirrspiel mitmachen möchte.

Unsere üblichen Vorstellungen, unsere gesellschaftsgerechten Pläne, die wir schmieden für ein vermeintlich erfülltes Leben, haben nichts mit der Natur des Lebens gemein. Aber vor allem zwingen uns diese Pläne und Vorstellungen, uns hauptsächlich auf die Dinge außerhalb von uns zu konzentrieren. Wir denken und denken und denken uns in Vorstellungen hinein, die uns immer weiter wegbringen von der Wahrnehmung unseres Selbst. Wenn schon eine Partnerbeziehung zum Scheitern verurteilt ist, wenn der eine den anderen zu wenig wahrnimmt, weil er in seinen eigenen Vorstellungen und Pläne eingebunden ist und keine Zeit mehr hat den Partner wirklich wahrzunehmen, wie soll es dann möglich sein, uns wohlzufühlen, wenn wir uns selbst nicht mehr wahrnehmen. Wenn wir nur noch in unseren Plänen und Vorstellungen leben, aber nicht mehr in der Wirklichkeit. Wenn wir nicht mehr wahrnehmen, dass wir ein und ausatmen. Wenn wir den Augenblick nicht wirklich wahrnehmen, in dem uns der Wind berührt, in dem wir essen oder gehen. Den Augenblick, wo unser Leben stattfindet. Einzig und allein im gegenwärtigen Moment.

Wie können wir erwarten, unter diesen Bedingungen, mit uns selbst eine gute, erfüllte, zufriedene oder gar glückliche Beziehung zu haben. Es ist per (Natur)-gesetz unmöglich.

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